Gebet für das leidende orthodoxe Volk der Ukraine

Seit einigen Monaten betet nun schon die Russische Orthodoxe Kirche, alle Klöster und Gemeinden, für den Frieden in der Ukraine, für die Befreiung von sichtbaren und unsichtbaren Feinden, für die Stärkung der brüderlichen Liebe, für unsere Einheit und die Befreiung von feindlichen Kriegsscharen.

Der Aufruf zum Herzens- und Regelgebet erging vom heiligsten Patriarchen von Moskau und ganz Russland Kyrill und vom Oberhaupt der Ukrainischen Orthodoxen Kirche, Metropolit Onuphrij.

Patriarch Kyrill: “Wir verstehen, dass sich derartige Krisen von historischer Bedeutung nicht nur durch diplomatische und politische Kräfte lösen lassen. Sie werden niemals gelöst ohne Gottes Anteilnahme. Gott gewährt uns Handlungsfreiheit. Aber wenn wir aufrichtig zu Ihm beten, wenn wir Ihn bitten, in unser Leben zu kommen, uns nahe zu sein, Konfliktsituationen zu lösen, dann kommt Er als Antwort auf unser Gebet – nur als Antwort auf unser Gebet hin – in die Umstände unseres Lebens hinein. (…)”

http://www.pravoslavie.ru/news/71650.htm

Ab dem dritten Tag des Festes der heiligen Dreiheit (Pfingsten) beteten Mitglieder unserer Gemeinde und Gläubige unserer Stadt unermüdlich Tag und Nacht vor der wundertätigen Kurskaja-Korennaja-Ikone. Um dies fortzusetzen, laden wir alle zum gemeinsamen Gebet nach Vereinbarung ein, mit Lesung im Stillen, um 21 Uhr, für das viel leidende russische orthodoxe Volk und für alle Gläubigen auf ukrainischer Erde.

Was ist eigentlich solch ein “Gebet nach Vereinbarung”?

Menschen verabreden sich über irgendetwas gemeinsam zu beten: zu ein und derselben Zeit stehen sie im Gebet, auch wenn wie sogar über viele Kilometer voneinander getrennt sind. Wie ein solches Gebet nach Vereinbarung richtig zu lesen ist, wer in die Gebetsrunde aufgenommen wird, und wann Resultate zu erhoffen sind, erzählt Erzpriester Nikolaj Sokolov, Vorsteher der Kirche des hl. Nikolaj in Tolmatchi:

http://www.nsad.ru/articles/molitva-po-soglasheniyu-teoriya-i-praktika

Hier der Text unseres Gebets:

“Herr, Jesus Christus, Sohn Gottes, Du sprachst doch mit Deinem Allreinen Mund: ‚Amen, ich sage euch, wenn zwei oder drei von euch auf Erden über eine Sache übereinkommen, dann wird das, worum ihr bittet, euch zuteil werden, von meinem Vater, der in den Himmeln ist: oder wenn zwei oder drei sich in meinem Namen versammeln, dann bin ich dort mitten unter ihnen‘. Untrüglich sind Deine Worte, Herr, unermesslich Deine Barmherzigkeit, und ohne Ende Deine Menschenliebe. Deshalb bitten wir Dich: gewähre uns, Herr, Deinen Knechten (Namen), die wir übereingekommen sind, zu Dir um des Friedens des leidenden ukrainischen Landes willen zu beten, die Erfüllung unserer Bitte.

Stärke in diesem Land die Frömmigkeit, das Urteil und die Gerechtigkeit; durch die Kraft der Gnade des Heiligen Geistes lösche jeden Hass und die Verbitterung. Wir beten auch für das gottgeschützte orthodoxe Volk, das in der Ukraine lebt, und für seine Befreiung von sichtbaren und unsichtbaren Feinden und für die Bewahrung seiner Heiligtümer. Herr, es geschehe Dein heiliger Wille. Amen.“

Priester Andrej Sikojev: “Meine Gebete gelten in erster Linie den Leidenden in Slawjansk und Lugansk, den Kindern des Donbass, denen, die Opfer der erbarmungslosen feindlichen Militärkräfte geworden sind. Ebenso den tausenden traumatisierten Menschen, die in Odessa, Kramatorsk und in anderen Städten der Ukraine ihre Nächsten verloren haben. Wir beten für tausende und abertausende Verwundete, Kranke und Waisen. Persönlich bete ich auch für die orthodoxen Väter, Brüder und Söhne, die mit der Waffe in den Händen ihre Heimat verteidigen.

Wir beten für alle Menschen guten Willens in der Ukraine, die für die friedliche Zukunft dieses Landes arbeiten. Darunter auch jene, die verweigern, auf ihre Brüder im Osten zu schießen, die verweigern, für ein paar Silberlinge Alte, Frauen und Kinder zu töten. Und ebenso bete ich für die Einsicht jener, die verblendet sind von Hass und Feindseligkeit gegen Russland, die betrogen und in die Irre geführt werden durch die Gewissenlosigkeit derer, die an der Macht sind.

Wir gedenken der vielen, vielen getöteten und verwundeten Kinder, der getöteten Priester, Krankenschwestern und Journalisten – alle unschuldig ermordet – möge der Herr ihrer gedenken, sie retten und sich ihrer erbarmen.“

Dem Gebet, der Hoffnung auf Gottes Beistand muss Reue zugrunde liegen.

Hierüber spricht Andrej Desnitzkij, Doktor der philologischen Wissenschaft, Berater am Institut für Bibelübersetzung:

“Im 9. Kapitel des Buches Daniel wird ein Gebet des Propheten angeführt, mit welchem er sich an Gott wandte in einem der schwierigsten Momente für Israel. Dort wird, wenn Sie so wollen, die nächste Etappe nach bürgerkriegsähnlichen Unruhen gezeigt: die Zerstörung des nördlichen (israelischen) und südlichen (judäischen) Reiches, die Zerstreuung des einst vereinten Volkes nach Ländern und Städten – die heilige Stadt Jerusalem dem Erdboden gleich gemacht, kein Ausweg in Sicht. Für was betet Daniel? Für das Ende der babylonischen Gefangenschaft, dafür, dass diese Babylonier selbst Vernunft annehmen, oder, wenn möglich, bestraft werden, weil sie die Israeliten auf keinen Fall nachhause entlassen? Nein, er erwähnt sie überhaupt nicht. Für das Ende des Leidens und die Rückkehr des alten Ruhms? Ja, durchaus auch dafür, aber nicht diese Worte sprach er zuerst. Seine Anrufung Gottes beginnt so: “Ich flehe Dich an, Herr, großer und wunderbarer Gott, der Du den Bund bewahrst und die Gnade denen, die Dich lieben und Deine Gebote befolgen! Wir haben gesündigt, gesetzlos gehandelt, unehrenhaft gewirkt, waren hartnäckig, und sind Deinen Geboten und Deinen Ordnungen abtrünnig geworden; und hörten nicht auf Deine Knechte, die Propheten, die in Deinem Namen zu unseren Königen sprachen, zu unseren Würdenträgern, zu unseren Vätern und zum ganzen Volk im Lande. Bei Dir, Gott, ist Wahrheit, und unser Antlitz ist beschämt, so an diesem Tag, bei jedem Juden, bei den Einwohnern Jerusalems, und in ganz Israel, ob nah oder fern, in allen Ländern, wohin Du sie wegen ihrer Abweichung vertrieben hast, mit welcher sie von Dir abgefallen sind”. Die ersten Worte handeln von der Reue. Es sind nicht Babylonier, die Jerusalem verwüstet haben, obgleich sie es natürlich zerstört haben, es waren die Israeliten selbst, die ihre Beziehung zu Gott zugrunde richteten und jetzt mit den Folgen zu tun haben.

Könnte es etwa scheinen, dass Daniel nichts zu bereuen hätte, weil er nicht von den Geboten Gottes abgefallen ist? Aber als er seine Einheit mit seinem leidenden Volk fühlt, sondert er sich selbst durchaus nicht von dessen Sünden ab. Er betet für das Volk, für die Menschen und übernimmt Verantwortung.

http://www.pravmir.ru/ukraina-i-molitva-daniila/

22. Juni 2014. Im russischen Kloster des hl. Panteleimon auf dem Athos wurde würdig gefeiert das Fest aller ehrwürdigen und gotttragenden Väter, die auf dem Heiligen Berg Athos verherrlicht wurden. Die Väter des Heiligen Berges und die auf dem Athos weilenden Bischöfe und Pilger sandten Gebete empor für das Aufhören des Blutvergießens und das Kommen des Friedens, für Versöhnung und die Buße aller verfeindeten Seiten.

“Nur das Gebet kann die Herzen erweichen, den Krieg auslöschen, das Unheil wegschaffen, das Problem lösen, welches keinerlei Ausweg durch menschliche Mittel hat”, sagte Vr. Jeremiah (Aljechin), selber gebürtig aus der Region von Lugansk.

http://www.pravoslavie.ru/news/71675.htm

Vr. André ergänzte: “Die Ukraine ist nicht Ziel der ausländischen Besatzer, der örtlichen Oligarchen und ihrer Komplizen. Jene Leute interessiert nicht das Schicksal des ukrainischen Volkes. Ihnen ist Dnjepropetrovsk, Ljwov, Kiev, Slawjansk völlig gleichgültig. Krieg und Terror ist für sie bloß ein Mittel! Plünderung, Korruption, Ausbeutung des Landes, ethnischer Hass, Betrug und Verführung des Volkes und Bürgerkrieg dienen einem Ziel – der Zerstörung des Friedens und der Zusammenarbeit zwischen den Völkern, der Aufhetzung Westeuropas und Russlands gegeneinander, und schließlich nachfolgend der Eroberung und Aufteilung des Wirtschaftsraums Ukraine durch skrupellose Knechte des Mammons und durch Spekulanten. Der christliche Weg ist ein völlig anderer, entgegengesetzter: der Weg der Liebe zum Nächsten, der Weg der Reue, liturgisches und stilles Gebet, Fasten, Festigkeit im Glauben, Frieden schaffen, Einmütigkeit, und sogar Feindesliebe. Ich glaube fest an unser gemeinsames Gebet zu Christus, denn wir schwachen und sündigen Menschen wissen: Gott ist mit uns! Die Versammlung aller Heiligen kommt unserem Flehen zuvor, geführt von der Allheiligen Gottesgebärerin und den Reihen zehntausender Heiliger, die auf russischer Erde verherrlicht wurden”.

Quelle: Ikone der Kurskaja Korennaja der Gottesgebärerin

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kursko-Korennaya_ikona.jpg;

Versammlung aller Heiligen der auf russischer Erde Verherrlichten –

http://days.pravoslavie.ru/Images/ii6981&493.htm

Übersetzung aus dem Russischen: put

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